Samstag, 1. November 2014

Nachwehen

Gestern hatten wir Halloween. Zu Hause.

Alles fing damit an, dass das Töchterlein Anfang Oktober an einem Sonntag Geburtstag hatte. Da erkennt ja auch der absolute Laie gleich, dass so ein Tag denkbar schlecht zum Feiern geeignet ist. Soll man etwa - wie früher auf dem Kindergeburtstag - um 18.00 oder 19.00 Uhr die Party beenden, weil ja alle am nächsten Morgen früh raus müssen? Undenkbar. Das Kind wünschte sich also dieses Mal als Nachfeier eine Halloweenparty. Am passenden Tag. Aufgrund meiner eigenen Pinterest-Schädigung (da wird einem ja JEDE noch so ungewöhnliche Aktivität mit wunderschönen Fotos schmackhaft gemacht) habe ich leichtfertig zugestimmt und auch gleich schonmal passende Deko bestellt. Hurra, mal ganz was anderes!

Am späten Nachmittag fallen also gestern vier Freundinnen bei uns ein, die alle gleichartige lange Haare und identische Schuhe haben. 12 ist das neue 13, man sieht nicht nur aus wie ein Teenie, sondern fühlt sich auch so. Zumindest manchmal. So in Inseln. Obwohl alle rein optisch schon den Eindruck erwecken, als könnten sie gleich mit dem Moped wegfahren (wenn man das heute noch machen würde), bricht verhaltenstechnisch in regelmäßigen Abständen doch immer wieder sehr das Infantile durch.

Ich habe ein mördermäßiges Buffet aufgebaut und sie essen, als ob es kein morgen gäbe. Ein Mädchen - das mir vorher extra als Vegetarierin gemeldet wurde - isst meines Erachtens hauptsächlich Würstchen sowie Gummikram, das bis obenhin voll mit Gelatine ist; und ich kann mir nicht verkneifen, mal nachzufragen. Es stellt sich heraus, dass sie eigentlich nur Vegetarierin ist, weil eine Freundin von ihr das will. Und sie freut sich so, dass sie jetzt endlich mal wieder was anderes essen kann. Junge, Junge, das nenne ich Charakterstärke. Hoffentlich wächst sich das noch aus.
Besagtes Kind ist leider ein wenig hyperaktiv (zu wenig Wurst?) und schmeißt permanent ihre sämtlichen Getränke um. Also, nur, wenn sie nicht gerade wie irre durchs Zimmer rennt, oder versucht, sich hinter die Couch zu werfen.

Nach dem Essen folgen einige Runden Tick-Tack-Bumm und diverse Halloween-Spiele, bei denen ich im Flur oder auf dem Klo ständig unvermutet auf Leichen trete. Dann wird sich schonmal in die Schlafanzüge geworfen, und man gruppiert sich auf das Sofa. Sie wollen „Sherlock“ gucken. Zwei von den Mädels haben noch nie davon gehört; na, die werden sich aber wundern.
Der Gatte und ich freuen uns über die plötzlich gewonnene Freizeit und sagen, dass wir jetzt nach oben gehen würden. Zu meinem Erstaunen werde ich gefragt „Was wollt ihr da denn machen???“  Noch bevor ich antworten kann, raunzt ein anderes Mädchen „Frag nicht so blöd, Erwachsenensachen halt!“. Genau. Erwachsenensachen wollte ich immer schon mal machen.

Wir holen uns den kleinen DVD-Fernseher ins Schlafzimmer und gucken einen Film. Im Bett! Cool. Ist quasi NOCH bequemer als auf der Couch! Obwohl ich ja Fernsehen im Bett immer schon scharf verurteilt habe, gefällt es mir so als Ausnahmesituation dann doch prima. Wir trinken Wein, um später das Gekicher und Gekreische aus dem unteren Stockwerk besser ignorieren zu können. Das klappt leider nur bedingt; ich wache in halbstündigem Rhythmus von besonders schrillem Gequieke auf.
Um hab drei werde ich von lautem Getuschel vor der Schlafzimmertür wach. Man diskutiert, ob ich wohl geweckt werden könnte. Die Mehrheit entscheidet sich für ja, und man kommt rein und äußert den Wunsch nach neuen, trockenen Bettlaken. Jemand (die hyperaktive Pseudo-Vegetarierin) hatte einen Unfall mit einem Glas, das sich zuerst in die Sammelschlafstätte ergoss und dann spontan und unvermutet zerbrach. Mit den Scherben wolle man sich eventuell morgen beschäftigen, sie lägen nicht weiter im Weg. Ich wanke komatös zum Schrank und zerre Laken heraus. Ich bin so müde, dass die Sache mit den Scherben bei mir nicht mal vom Ohr bis zum Gehirn vordringt!

Am nächsten Morgen erwache ich von erneutem Gekicher und Gekreische, das durch den Schlafzimmerfußboden dringt. Die Meute bewirft sich mit Kissen und Plüschis und will Brötchen. Viele Brötchen. Diese sollen unbedingt im Schlafanzug gegessen werden. Ich rege an, dass sie von mir aus auch gerne später im Schlafanzug die Heimreise antreten können. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft erbleicht und sagt, dass sie doch aber von ihrer Mutter zu Fuß … Ich ärgere mich fast, dass ich den Mädels nicht als kleinen Halloween-Scherz die Klamotten versteckt habe. Das wäre doch eventuell sehr lustig geworden. Wer im Schlafanzug sein möchte, den soll man nicht aufhalten!

Nach dem Frühstück bilden alle zusammen wieder einen großen Haufen auf der Couch und gucken noch eine Folge Sherlock. Mittags erfolgt die Abholung, und tatsächlich sind Sekunden vorher alle irgendwie angezogen.
Sie wuseln mit ihren zahlreichen Decken, Kissen, Plüschis und Taschen zur Haustür hinaus und ich denke an die Kindergeburtstage zurück. Da war man ja durch das Dauerbespaßen hinterher immer sehr geschafft – aber um 18.00 Uhr war dafür alles vorbei und man konnte nachts sogar schlafen.

In meiner Funktion als Tatortreiniger finde ich nach Abreise der Gästinnen beim Saugen im Wohnzimmer viele kleine Scherben (zur Verdrängung der Situation von den Beteiligten sorgfältig mit Taschentüchern abgedeckt), zahlreiche aufgeweichte Salzstangen, ein Interdentalbürstchen, ein undefinierbares Zahnspangenzubehörteilchen (ich wüsste zumindest nicht, was es sonst wohl sein könnte), einen feuchten (?) Barfußabdruck in einem eigentlich unzugänglichem Winkel neben dem Schrank und vor allem: Haare, Haare und nochmals Haare. Unzählige Haare in diversen Schattierungen. Ich dachte, nur mein eigenes Kind fusselt so; aber anscheinend teilt es sich diese Verhaltensweise mit den ganzen anderen Langhaarigen. Man fragt sich allerdings, bei welcher Gelegenheit die Haare denen wohl so rausfallen; sagen doch drei von vier Müttern beim Abholen „Wie siehst du denn aus? Hast du dich heute noch gar nicht gekämmt???“



Mein persönliches Highlight der Party war übrigens das Buffet. Das verblogge ich gleich, sobald ich aus den fast 400 Fotos in gruseliger Schummerbeleuchtung die unbrauchbaren aussortiert habe. Aber das wird euch gefallen!!! Ein Halloween-Buffet, wie es im Pinterest Buche steht.

Kommentare:

  1. Oh man, wie gut, das du noch den Sonntag zur Erholung vor dir hast. Muss mir nach deinem Bericht merken: keine Übernachtungspartys. Wie gut, das mein Kind Ende März Geburtstag hat, meist in der Fastenzeit, wo eigentlich keinerlei Feierlichkeiten anstehen. Auf die Foto's deines Buffets bin ich sehr gespannt, du zauberst ja immer so herrlich....wünsche dir ein erholsames Rest-Wochenende! LG Tanja

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  2. Ich habe mich grad weg geschrien beim lesen :-)) Super gut geschrieben, konnte alles so richtig nachfühlen und bin schon gespannt wenn in 6-7 Jahren die Mädels bei uns übernachten *grusel*

    Danke für den Post :-)

    Liebste Grüße
    Steffi

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  3. Erhole dich gut :-)
    Auf die Buffettfotos bin ich schon gespannt. In der IPhone-Pinterest Variante waren die so klein :-)

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  4. Suuuperklasse, ich bin total groggy aber dein Post hat mich mächtig nach vorn gebracht. Ich freue mich schon sehr auf dein total megamäßiges Buffet.
    Liebe Grüße von
    Stine

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  5. Es war das erste Mal, dass ich meinem Mann deine Story vorlesen musste, weil ich ihn mit meinem Gelächter beim TV störte *gg*. Deine kleinen Schnappschüsse habe ich ja gestern immer schon bewundert. Einfach irre. Nun bin ich gespannt, ob deine Tochter und die Gästinnen nächstes Jahr wieder bei euch eine Übernachtungs-Helloween-Party machen wollen *grins*. Bin ich froh, dass ich noch 4 bis 5 Jahre Schonfrist habe....

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  6. ich hab gegrinst über deinen Tatortreinigerbeitrag - ein echter "Scrapperia" - aber warte mal ab, das kann nur schlimmer werden - sagt dir die Mutter eines 17jährigen :-)
    also blicke zuversichtig in die Zukunft *g*

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  7. Mann, bin ICH froh! Ich hab ja schon auf ein schlimmes Ende mit Scherben in Füßen gewartet. Zum Glück waren da nur die vielen Haare und weiter keine schlimmen Verletzungen. Da kannst du doch echt froh sein!!

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  8. Einfach klasse! Du schreibst jetzt schon, worauf ich mich demnächst einstellen kann... kicher!

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  9. Gestern wollte ich dir schon einen Kommentar hinterlassen ging da leider nicht deshalb nochmal.... ich hab das schon vor 2 Jahren durch gemacht - Bikinis aus Leuchtstäben nachts um halb drei ..... das lässt nach glaub mir. Dafür haben wir Muttis dann was zu erzählen wenn unsere Mädels älter sind - oder ist das dann peinlich?
    LG
    Carola

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  10. Tatortreiniger Sandra! :-)
    Ich bin hin und weg von der Halloweenparty!
    Und von deiner Art zu schreiben auch.

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  11. Oh yeaaaah... Erinnerungen werden wach, die ich wohlweislich erfolgreich verdrängt habe!! Die letzte Übernachtungsparty (danach war auch das jüngste Kind davon geheilt) endete damit, dass das Geburtstagskind heulend in meinem Bett einschlief... und auch die Gästinnen endlich zur Ruhe kamen! Ein Alptraum... manchmal reicht EIN Kin, um alle anderen aus der Bahn zu werfen... jetzt sind die Übernachtungen ganz entspannt - aber die "Kinder" sind ja auch längst keine Kinder mehr *seufz* (15, 18, 20)

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  12. erheitert - und gleichzeitig erleichtert, dass es im Hause Berger keine pupertierenden langhaarigen Mädels gibt - hau ich mich jetzt auf die Couch,,,
    sehr genialer Bericht
    Woher das mit den langhaar-Fusseln kommt weiß selbst ich als langhaarige nicht...
    die dinger sind immer und überall

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