Dienstag, 13. August 2013

Meine ganz eigene Vergangenheit

In der letzten Zeit war ich unter anderem damit beschäftigt, das Haus meiner Eltern umzuräumen und ein wenig an deren neue Bedürfnisse anzupassen. (Positiver Nebeneffekt: Die entrümpeln sich nebenbei schon mal selbst! Haben sie schon vor einer längeren Weile angefangen. Damit ich nicht später mit deren ganzem Kram dastehe, und nicht weiß, wohin damit. Solche einsichtigen Eltern kann ich nur empfehlen.)

Bei einer dieser Aktionen bin ich in mein ehemaliges Kinderzimmer geraten, von dem ich eigentlich dachte, dass ich es schon lange mal ausgeräumt hatte. Erstaunlicherweise gab es dort in kleinen Ecken und Schubladen aber immer noch einige Relikte von früher! Ich habe also noch einen Karton voller Kindheitserinnerungen zusammengepackt und mitgenommen. Beim Anblick dieser Altertümer war ich teils so von Nostalgie überwältigt, dass ich dachte, ich lasse euch mal ein bisschen teilhaben. Wer von euch auch in den 70er-Jahren Kind und in den 80er-Jahren Teenie war, erkennt vielleicht das ein oder andere wieder!   :)


Ich habe schon als Kind viel Musik gemacht - das ging in der Grundschule mit zwangsweisem Singen aus der Mundorgel los. Eigentlich schade, dass das mal irgendwann abgeschafft wurde! Dadurch hatten schließlich damals auf den Klassenfahrten im Bus alle das gleiche Liedgut parat! Ob man nun mit Bolle an Pfingsten unterwegs war, davon sang, dass Margarine Koks enthält, oder mit einem Hasen im tiefen Tal saß. Holly-Polly-Doodle. Ein früh gelerntes englisches Wort, dass man leider später nie wieder brauchen konnte.
Der natürliche Nachfolger der Mundorgel war dann das kleine grüne Liederbuch aus dem Schneider-Verlag. Vor allem, wenn man sich (so wie ich) inzwischen dem Gitarrenspiel zugewandt hatte. Rückwirkend fragt man sich, ob es früher überhaupt noch andere Verlage gegeben hat? Die Schneider-typischen Illustrationen schienen sich jedenfalls in fast jedem Buch zu finden.

Wenn man dann immer noch nicht genug gesungen hatte, gab es noch die sogenannten "Studentenhefte" mit dem roten Luftballon. Keine Ahnung, welcher Student die sich mal ausgedacht hat - aber hier fand man dann nicht nur Traditionals, sondern auch einige aktuelle Popsongs zum Nachsingen. Und einen Haufen Musik von Liedermachern! Liedermacher. Gibt es heute anscheinend auch nicht mehr. Zentrales Thema in meiner frühen Jugend war ja der Frieden. Und so haben wir wie verrückt Friedenslieder gesungen und Friedensfeste gefeiert und Jutetaschen mit Friedenstauben drauf spazieren getragen. Die ist allerdings inzwischen wohl kompostiert - zumindest habe ich sie nicht mehr wiedergefunden.


Weiter geht's.
Als ich klein war, hatten man rote Leder-Portemonnaies mit einem schwierigen Faltmechanismus (putzig; hatten allerdings den Nachteil, dass kein Geld reinpasste) und seinen Haustürschlüssel hat man sich mit Hilfe eines großen Karabinerhakens an der Jeans-Gürtellasche befestigt. Wer besonders toll war, hatte da auch noch anderes Klimperzeug dran. Zum Beispiel dänische Münzen, die ein natürliches Loch zum Auffädeln hatten. Wie praktisch. In Ermangelung eines eigenen Dänemarkurlaubs hat mir mal eine Freundin zwei davon geschenkt. (Aus der Rubrik: "Was man mit Euros alles nicht machen kann.")


Buttons - heute ja gerade wieder ein ganz großes Thema - gab es natürlich auch schon! Die hatte man allerdings nicht auf Layouts, sondern an der Jeansjacke. Wie man sieht, war ich thematisch damals recht weit gestreut unterwegs. (Aber auch hier ist wieder Frieden dabei.)


Wenn man einen technisch interessierten Vater hatte, besaß man vielleicht diese neumodernen Buntstifte:


"Kreuzer Blift Color". Nie mehr anspitzen müssen. Schön gemalt haben die aber nicht! Man kann es daran erkennen, dass sie noch mit lauter Minen in Originallänge in der Schublade waren.

Jetzt kommen besonders kleine Objekte, die man (glaube ich???) auf dem Schützenfest erwerben konnte:


Die trug man dann auch gerne auf eine Sicherheitsnadel aufgefädelt an der Jacke. Oder Hose. Haben die eigentlich einen Namen? Ich meine, man nannte sie "diese chinesischen Glücksbringer". (Und ich wage mir kaum vorzustellen, mit welcher Form von Kinderarbeit da in Asien wohl die kleinen Augen und Jacken draufgemalt worden sind.)

Aus China kam auch gleich noch ein anderer Gegenstand, den jedes Mädchen zwingend besessen hat: ein Diary. Nicht, dass ich damals schon gewusst hätte, dass das Tagebuch heißt - aber den Zweck hat man natürlich auch so erkannt. Ich habe bei mir nur noch dieses späte Modell in eher ungewöhnlichen Farben gefunden. Zuerst gab es nur eine Sorte mit braunen (?) Ecken und Rücken.


Innen sah das dann so aus:


Beeindruckend, da waren Bilder auf jeder Seite! Der Wahnsinn.
Leider ist das Buch leer. Ich habe früher zwar immer mal wieder angefangen, Tagebuch zu schreiben (auch in diesen chinesischen Büchern), aber nach einer Weile mal wieder durchlesen war es mir dann immer nicht gut genug, und ich habe es weggeschmissen. Nachher wird sowas mal plötzlich veröffentlicht (man weiß ja schließlich, wie es Anne Frank gegangen ist), und dann steht man da und hat nur Mist geschrieben!

Dafür habe ich noch etwas anderes, ganz Besonderes, mit Inhalt gefunden. Mein erstes Scrapbook!


Das Album hat mein Vater mir damals selber gebunden. Und ich habe als Kind dann Sachen ausgeschnitten, die mir besonders gefallen haben, und hineingeklebt. Zum Beispiel schöne Bilder aus Illustrierten ...


... das Einwickelpapier von diesen kleinen Schokoladentäfelchen, die man manchmal geschenkt gekriegt hat ...


... und zeitgenössische Aufkleber.


So, das war mal ein kleiner Ausflug in die Siebziger und Achtziger Jahre. Da kommt man doch total in Retro-Stimmung! Mein eigenes Kind ist übrigens auch völlig begeistert von diesem ganzen Kram aus Mamis Kindheit. Das chinesische Tagebuch ist schon in ihren Besitz übergegangen, und die Buttons findet sie ebenfalls voll den Burner.   :)   Aber eigentlich auch ganz gut, dass wir nicht alles aufgehoben haben. Ganz kleine schwarzweiße Fernseher mit nur zwei Programmen hätten ihr bestimmt nicht gefallen.

Kommentare:

  1. Haaa, wie genial! Das schreit förmlich nach einem Mini! Die Mundorgel und einige der anderen Liederbücher habe ich auch noch. Und genau so ein Tagebuch hatte ich!!! Die kleine Holzpüppchen gab es hier in jedem Schreibwaren- und Spielzeugladen.
    Echt wunderbar, was Du da alles ausgegraben hast!
    Liebe Grüße, Iris

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  2. Ja, genau meine Kindheit! Ich habe alles bis auf die Buntstifte und dein erstes Scrapalbum natürlich. Diese kleinen Käferchen habe ich überall hingemalt, sogar auf meinen weissen Plastikkoffer, den ich statt Schulranzen in die Schule mitgeschleppt habe...

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  3. Ich hab grad ein Déja Vu...
    :-D
    LG
    Katta

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  4. Ich fühle mich zurückversetzt! Exakt diese Lieberbuch-Kombis hatte (habe??) ich auch! Wie schön, auch da auf Gleichgesinnte zu treffen (natürlich hatte auch das China-Diary) ;-)
    Liebe Grüße Carmen

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  5. Na, da erkenne ich ja so einiges wieder.
    Allerdings hatte ich die Mundorgel eher meiner Pfadfinderzeit zugeordnet. Ist die tatsächlich aus der Grundschule?
    Das Portemonnaie hatte ich auch - genau das Gleiche.
    Und diese kleinen Holzmänneken gab es NICHT auf dem Schützenfest, sondern bei Gugu und/oder Demann.
    Schade, dass ich solche Relikte nicht mein eigen nenne.........

    LG Andrea

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    1. Bei Demann? Gewagte These! Gugu kann natürlich gut sein. Da könnte ich übrigens auch den Inhalt des kompletten Ladens noch aus dem Kopf aufzeichnen. (Ein bisschen was davon kannst du auch hier sehen: http://scrapperia.blogspot.de/2011/01/configurations.html)

      Also, ICH habe in der Grundschule gemundorgelt. Bei Fräulein Fuchs. Aber es ist ja nicht auszuschließen, dass du das woanders gemacht hast. :)
      Vielleicht gibt es bei euch doch auch noch Relikte? Da, wo auch die Fotos unter Verschluss gehalten werden ...?

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  6. Cool, sieht aus als wäre es aus meinem Zimmer :-)

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  7. Ja, ja, ja, das ist der Hammer. Als ich das erste Foto sah mit der Mundorgel und dem Schneiderbuch, dachte ich gleich an Hanni und Nanni, die die absolut gleichen Titelbilder hatten. Was einem beim Lesen deines Posts so alles aus dem Gedächtnis purzelt, ist unglaublich. Ich habe ja auch zwangsweise viel Musik gemacht und kenne diese ganzen Bücher auch. Und absolut genau so ein Tagebuch hatte ich auch. Komplett vollgeschrieben, und meine Mutter hats vor ein paar Jahren gefunden, peinlich. Aber sie hat es angeblich dem Kamin zum fressen gegeben. Diese kleinen Mini-Matruschkas hatte ich auch, die wurden überall drangebummelt. Hach war das herrlich, danke für die tolle Zeitreise.
    LG von
    Stine

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  8. Sandra,vielen Dank für diesen kleinen Ausflug in die Kindheit!
    Ich mein grad du hast in meinem Kinderzimmer gekramt.
    Gruß STeffi

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  9. Sehr genial ^^ Das Scrapalbum ist der Knaller! TFS :)

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  10. Bin zwar ein kleines bisschen jünger, aber
    OMG, die Anhänger-Vögelchen, die kenne ich sehr gut! Ich hab sogar grad den Duft in der Nase, die Schnürchen hab ich extrem gut duftend in Erinnerung, oder auch das Holz, aus dem die Vögelchen waren.

    Danke für deine Reise zurück!

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  11. die chinesischen dinger hatte ich imer an der hose hängen.. hach.. seufz, würde ich heute auch noch machen..... von der mundorgel hatten wir es heute auch schon.... und den roten geldbeutel hatte ich auch...

    LG Michaela

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  12. Als ich diesen Blogeintrag gelesen hab, habe ich die ganze Zeit nur genickt ... "kenn ich, hatte ich auch"... Klasse!!! :D

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  13. Ja, all das hatte ich auch!!! Die Männchen hingen an einem Knopf der Jeansjacke ...
    Meine Mutter hat letztens so ein Liederbuch für meine Große abgeschleppt, da musste ich schon mal an die Mundorgel denken und ich meine auch, das war Grundschule .... Den Geldbeutel hatte ich auch ...
    Tolle Erinnerungen, meine Mutter hat alles weggeschmissen :-(
    LG Barbara

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  14. Oh ja, das kleine grüne Gitarrenbuch hatte ich auch. Erinnerte mich immer an Hanni und Nanni, wegen der Illustration ;-) Ich muß glaube ich mal dringend bei meinen Eltern stöbern, Milena ist gerade ganz doll auf "Die Schlümpfe", da müßte noch der eine oder andere von da sein. Und Buttons hatte ich auch und dann haben wir uns die Jeansjacken angemalt, sehr zur Freude unserer Eltern ;-)

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    1. Waaaaas? Das habe ich ja noch nie gehört! Wir haben nur die Turnschuhe angemalt! :)

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  15. Ohhhhh - ich kann da auch mithalten! Ich hatte sogar das Portmonaie in beige und die Mundorgel und das Gitarrenheftchen - schön dass es sowas heute noch bei manchen zu finden gibt - mein Diary steht vollgeschrieben im Wohnzimmerschrank und war braun....
    Sooo schön mal wieder in Erinnerungen zu schwelgen
    LG
    Carola

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  16. oh - das sieht ja aus wie bei mir früher - alles - aber auch alles (außer dem Mini Scrapbook) hatte ich auch - sogar das Diary hatte die gleichen Farben. Ich habe meins auch noch - allerdings habe ich darin Sprüche gesammelt - auch heute noch hilfreich, wenn man einen schönen Spruch für eine besondere Karte braucht.
    Das Wegwerfen wird wohl definitiv unsere Tochter übernehmen müssen ;-)
    LG Carola

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  17. Danke für die Reise in die Vergangenheit. Das meiste habe ich auch besessen oder besitze es sogar immer noch. (Wie z.B. die vollgeschriebenen chin. Diaries. ;)
    Ich bin schon gespannt, was meine Tochter uns mal so an Kleinigkeiten hinterlässt und dann noch viel später in Erinnerungen schwelgt.
    LG Sabine

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  18. Aaah, nein - ich glaubs nicht. Hast Du meine Kinderkiste ausgepackt? Wie cool. Die Tagebücher hab ich auch - allerdings gefüllt und ca. 10 Stück. Danke für Reise! Fehlt noch Ahoi-Brause, Brauner Bär und die Teens, Rollerskates und Puff-Ärmel.....*hihi*

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  19. Herrlicher Beitrag !
    Bei den Liederbücher kann ich nicht mithalten - mich hat Musik bis heute leider nicht *erreicht* - grins.....aber das kleine Büchlein hatte ich auch - in rot....und vollgeschrieben (in guter Verwahrung!!!). Ich habe eine alte Kiste mit vielen kleinen Erinnerungsstücken. Darin befinden sich sogar noch kleine Briefchen und Geschenke aus der Teeniezeit ;o)
    Vielen Dank für diese kleine Reise in deine (unsere) Vergangenheit.

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  20. Genial! Danke Sandra, dass Du mir ein Stück Kindheit zurückgebracht hast! Voll witzig zu sehen, dass wir viele gleiche Dinge hatten. Nur leider habe ich sie jetzt nicht mehr...

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  21. Jetzt hast du mich gerade in meine Kindheit zurückversetzt, so sieht meine "Kiste" auch aus :-)
    Liebe Grüße!

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