Montag, 28. Mai 2012

*knister, knister*

Ihr erinnert Euch ja sicherlich an meine ziemlich schwangere Freundin, für die ich kürzlich dieses Hochzeitsalbum gescrappt habe. Letzten Freitag wollte das Kind dann doch endlich mal raus, und bei meinem Besuch im Krankenhaus heute will ich natürlich nicht mit leeren Händen dastehen. Das "richtige" Geschenk ist zwar schon bestellt, aber noch nicht angekommen. Deswegen verfiel ich auf die originelle Idee, schnell noch was selber zu machen.
(Der geübte Leser erkennt hier schon die Diskrepanz zwischen "schnell" und "selber machen".)

Beim hastigen Rumgrübeln fiel mir ein, dass ich auf Silkes Blog vor einiger Zeit so ein nettes Knistertuch gesehen hatte! Nun unterscheide ich mich nähtechnisch ja gewaltig von der quiltenden Silke. Man könnte sogar direkt behaupten, dass wir in diesem Bereich absolut null Gemeinsamkeiten haben. Trotzdem war ich gestern in einem Moment der unkontrollierten Euphorie der Meinung, das könnte ich wohl auch hinkriegen.

Erstaunlicherweise hatte ich sogar alle passenden Zutaten im Haus! (Man bedenke: es sind gerade Feiertage!) Sogar das Knister für innendrin. Liegt seit ca. 15 Jahren in der Küchenschublade, habe ich erst einmal gebraucht. Trotzdem inzwischen noch nicht weggeschmissen. So ist das manchmal. Man muss auch mal Glück haben!   :-)

Beim Zuschneiden traten schon die ersten Probleme auf: wer hat denn wohl mal Jersey erfunden? Und warum bleibt der nicht so liegen, wie man ihn hingelegt hat? Kaum fängt man an zu schneiden, verzieht sich alles! Beim Nähen hat sich genau dieses Problem dann noch sehr potenziert. Das ein oder andere Element wird vom Nähmaschinenfüßchen schön mittransportiert, der Jersey eher so gar nicht. Der längt sich. Der wellt sich. Der wird immer größer, während man mit der Naht schon am Ende der genähten Seite angelangt ist! Und dann hat man obendrauf ganz viel Jersey über!
Und beim Wenden merkt man, dass man die Wendeöffnung offenbar ein bisschen zu weit zugenäht hat. Und nach dem Wenden merkt man, dass man vergessen hat, die Ecken vorher abzuschrägen. Und dann muss man alles nochmal zurückkrempeln. Durch die zu kleine Öffnung. Prummel, prummel. Und wenn man die Wendeöffnung dann endlich zumachen will, damit Ruhe ist, ist der Jersey speziell an diesem offenen Stück auf einmal ca. doppelt so lang geworden, wie der Stoff auf der anderen Seite!

Ich weiß nicht, wie man täglich oder gar beruflich Nähen kann, ohne komplett wahnsinnig zu werden.
Mehrere graue Haare später war ich dann endlich fertig. Noch ein bisschen dranrumgebügelt, dabei hat sich der Jersey nochmal neu verzogen. Ich dachte eigentlich, auch er wäre inzwischen so erschöpft, dass jetzt mal endlich gut ist. Mannomann. Und dann, als sie heiß wurde, fing auf einmal die Knistereinlage an zu schrumpfen! Soll das so sein? Ich habe daraufhin das Bügeln blitzartig eingestellt, und weiß auch gar nicht, wie dieses Tuch jetzt in Zukunft weiterhin behandelt werden soll. Das Waschen wird ihm dann wohl auch nicht gefallen, tippe ich mal! Aber das ist dann ja nicht mehr mein Problem. Da werde ich der Mutter später einfach einreden, dass sie sicherlich einen Waschfehler gemacht hat - wenn das Ding als kleine Schrumpelkugel aus der Maschine kommt.

Jedenfalls:  Voilà!



Nicht gerade, nicht gleichmäßig, und insgesamt ziemlich krumpelig.
Aber mit ganz viel Liebe.

Kommentare:

  1. Was für ein genialer Stoff! Der lenkt total von eventuell nicht geradlinigen Nähten ab ;-)
    So ein Neugeborenes ist mit Sicherheit auch nicht ganz so kritisch!
    Mir gefällt es super!
    LG Martina

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  2. Ich gacker mir hier gerade einen...
    Aber Jersey braucht eine spezielle Nadel und eine spezielle Sticheinstellung, damit Du den Kampf mit dem Stöffchen gewinnen kannst. Aber mal ganz ehrlich, das Tuch sieht genial aus. Und wie Martina schon sagte, der kleine Erdenbürger ist noch nicht so pingelig. Also: Superteil! Ich klopf' Dir mal auf die Schulter für Deine heldenhafte Tat und Deinen unbeugsamen Willen.

    Ich knutsch Dich!

    Deine Gisi

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  3. Du hast sooooo schön erzählt, das man quasi das Gefühl hat, man saß neben dir bei deinem Kampf!!! Es macht enerell Spass bei dir zu lesen, denn vieles erkennt man ja an sich selbst wieder... Dein Tuch ist wunderschön geworden... wirklich. Es steckt so viel Wille und Durchhaltevermögen drin, das es völlig egal ist, wie es aus der Waschmaschine kommt. Finde ich... Danke für den schönen Tatsachenbericht,
    Liebe Grüße, Saphira

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  4. Ich glaub, ich hab wohl 'nen Knick in der Optik, - ich seh nämlich nix, was eventuell oder überhaupt irgendwo schief ist und wenn es denn doch so sein sollte: dem neuen Kindelein wird es eh egal sein weil der Stoff sowas von schön ist und das Knistern doch das Wichtigste ist...
    Liebe Grüße...Tanja

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    1. Der faltige Jersey ist ja auch auf der Unterseite! :-)

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  5. Ich denke auch, Sandra. Dem Baby wird's gefallen und das war doch dein Hauptziel.
    Nach Lektüre deines Textes hatte ich ein ganz anderes Ergebnis erwartet, dieses ist doch wirklich super verschenkbar. Sie mal nicht so kritisch. Aber recht hast du, Jersey ist nicht wirklich was für Anfänger, denke ich. (und das von mir, ich bin noch nicht mal im Anfängerstatus...)
    Lieben Gruß
    (Se)Anja

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  6. Normalerweise lese ich ja kaum die Einträge, aber bei dir muss ich es einfach und auch heute hast du mir wieder ein Lächeln, Grinsen ins Gesicht gezaubert. DANKE.

    Ja, Jersey ist schon sehr speziell und ganz ehrlich, ich habe auch immer das gleiche Problem.

    Dein Endresultat sieht aber wirklich gut aus. Ich denke auch, dem neuen Erdenbürger wird es gefallen und wenn die Mama was zu bemängeln hat, dann soll sie es mal selbst versuchen...

    Viel Spaß beim Verschenken.

    Liebe Grüße, ines

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  7. Endlich mal ein Thema, bei dem ich mitreden kann/könnte! Du hast Alexander Henrys Pilzen also einen Jersey aufgezwungen? Da musst Du Dich gar nicht wundern *lach*
    Ich frage mich allerdings, wieso Du -als Nicht-Näherin- solche Stoffe und soviele verschiedene Webbänder vorrätig hast *grübel*.
    Erzähl' mal was über's Baby! Privat natürlich.

    Sonnigen Tag noch!
    LG Andrea

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    1. Wer ist Alexander Henry???
      In der Anleitung stand, dass man obendrauf einen Baumwollstoff und untendrunter Jersey (oder Frottee - hatte ich aber nicht da) verwenden soll. Fand ich auch sehr putzig. Aber das waren ja auch fast die einzigen beiden Stoffe, die ich überhaupt da hatte, deswegen habe ich das mal gleich so hingenommen.
      Der Jersey sollte mal eine Tunika für Melissa werden; erinnerst Du Dich? Da bin ich ja heute noch froh, dass ich DAS Projekt damals gar nicht erst angefangen habe! Wo ich doch kaum in der Lage war, ein kleines quadratisches Stück für dieses Tuch daraus auszuschneiden! Ich habe natürlich jetzt immer noch sehr viel davon. Bin schon gespannt, ob der nochmal irgendwo Verwendung findet. Ist vielleicht wie mit dem Bratschlauch: es kommt der Tag...
      Und dann hatte ich ja glücklicherweise mal vor längerer Zeit ein Webband-Sortiment gewonnen. Alles hat seinen Sinn. ;-)

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  8. ich finde dein schreibweise immer sehr köstlich :-)! HERRLICH! und ja, jersey hat es in sich, auch für geübte näherinnen! dafür, dass du es selten machst hast du aber ganz schön viele verschiedene webbänder im haus und es sieht auch ziemlich gut aus! und es kommt doch auf die viele liebe an ;-), liebe grüße von sabine, der beim zuschneiden von jersey auch die hutschnur hochgeht...

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  9. Mit Spannung habe ich mich bis zum Foto vorgearbeitet und war dann fast enttäuscht, dass es so gelungen aussieht. :-)
    Ich find es, wie es ist, ernsthaft toll und es ist bestimmt super angekommen.
    LG Ina

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  10. Manno, jetzt ist mein Beitrag weg *mitdemFußaufstampf*

    Jedenfalls wollte ich dir meine absolute Hochachtung ausdrücken, dass du das Tuch trotz der widrigen Umstände fertig gemacht hast. Ich bin ja da eher der Typ Rumpelstilzchen *räusper*

    Das Tuch ist klasse und das findet das Baby sicher auch :-)

    LG Eva

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  11. Kinder lieben solche Knistertücher mit diesen Anhängerchen dran (wie nennt man die genau? komme gerade nicht drau f;). Das Tüchlein ist total schön geworden und wenn Du der Mami sagst, dass sie es höchstens auf 30° waschen soll, dann dürfte auch nix passieren.
    Ich habe Jersey auch noch nicht vernäht, aus den von Dir genannten Gründen.
    LG Sabine

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  12. Ich hatte irgendwann schon geschrieben, dass Jersey und ich auch keine Freunde für´s Nähleben werden. Deine Erfahrungen kan ich nämlich zu 100 % (nein eigentlich 200%) bestätigen! Ich bewundere dich ja dafür, dass du darüber noch so witzig schreiben kannst. Zum Tuch: Spitzenmäßig, ehrlich! Dem Baby sind die Falten egal, es wird die Bänder zum Draufrumkauen lieben und die Mutter wird so ein mit viel Liebe (ja, denn sonst hättst du es bestimmt nicht zuende genäht!) selbst gemachtes Geschenk bestimmt auch sehr zu schätzen wissen.
    (Ich habe übrigens als Rückseite Waffelpique verwendet)

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  13. Wenn sogar ich alte Nähkrähe das hingebogen kriege (im wahrsten Sinne), seh ich da bei deinen talenten keine Schwierigkeiten. Mir war allerdings bei all der Knubbelei zwischenzeitlich mal echt der Humor verlorengegangen, umso höher meine Bewunderung für dieses "Schmunzelstück" :-)

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  14. ich find das Teil groooosse Klasse!!!

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  15. Ich lach mich immer kringelig über deinen Schreibstill! Du solltest Autorin werden!!! Das Tuch sieht spitze aus und von deinen Schwierigkeiten ist auf dem Bild zumindest nichts mehr zu erkennen!!!
    LG BIne/STracciatella06

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  16. Sandra, ich finde es suuuper schade, dass ich keine Redaktion einer Zeitschrift/ Zeitung oder sonst was in der Richtung leite und dir ohne Umschweife eine eigene Kolumne anbieten kann. Also nicht, dass du denkst, ich will dich vom Bloggen abhalten, nein, nein,... aber bitte bitte nimm die Chance wahr, wenn sie dir mal über den Weg läuft, okay?
    Vielleicht sollte ich mal die Redaktion meiner hiesigen Zeitung auf dich aufmerksam machen, dann hätte sogar ICH was davon. ;-D

    Liebe Grüße,
    Steffie

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