Samstag, 7. Januar 2012

Berlin, wa?

Der Jumpstart im SBT entwickelt sich anscheinend zu meinem persönlichen Highlight. Das dritte Layout in sechs Tagen - so einen Ausstoß habe ich ja sonst kaum im ganzen Monat! Mal sehen, wie das so weitergeht - im Moment habe ich ja noch das Gefühl, dass ich von sehr viel Freizeit umgeben bin. Ich habe wohl irgendwie nicht so richtig erkannt, dass die Feiertage vorbei sind...

Die Vorlage für dieses Layout hatte Bille ausgesucht. Ich musste allerdings etwas sehr frei interpretieren, damit ich die (für meine Verhältnisse) unglaublichen Textmassen unterbekomme! Thema ist mein Berlinbesuch im Jahre 1982, als ich von meiner Patentante eine Woche bei ihr in dieser Stadt zur Konfirmation geschenkt bekam.
Den Titel habe ich mal kurzerhand bei Willy Astor entlehnt.   :-)



Da ich den Text sowieso am Computer geschrieben habe, füge ich Euch hier mal einen Teil das Journalings ein. Diejenigen unter Euch, die um einiges jünger als ich sind, können sich eventuell gar nicht vorstellen, was es damals bedeutete, nach Westberlin zu fahren! Man musste stundenlang durch die DDR rumpeln, unvergessliche Grenzkontrollen über sich ergehen lassen und war trotz allem immer ein bisschen unsicher, ob sie einen da auch wieder rauslassen.

(...)
Jedenfalls fuhren wir im Sommer 1982 zusammen nach Berlin. Mit dem Zug. Ich hatte gerade eine Brille bekommen und fand, dass ich damit und mit meiner schlabberig-schäbigen Wildlederjacke intellektuell und urban genug für Berlin aussah. Wir kamen am Bahnhof Zoo an und das war ja schon mal gleich wahnsinnig aufregend. Ich hatte natürlich das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ gelesen, und starrte nun dort sehr interessiert sämtliche auf der Erde sitzenden Leute an, jeden Augenblick damit rechnend, einen mir von den Bildern bekannten Drogensüchtigen wiederzuerkennen. Überhaupt gab es hier ja unfassbar viel zu gucken. Die ganze Atmosphäre dieser Stadt fand ich unglaublich beeindruckend. Alles war so – groß!
Meine Patentante hat in dieser Woche wirklich sehr viel mit mir unternommen und mir die ganze Stadt gezeigt. Wir waren im Ostteil, auf dem Fernsehturm am Alex, im Zoo, im KaDeWe, an der Gedächtniskirche, im instandbesetzten Kreuzberg, wir waren in einem portugiesischen Restaurant (sehr exotisch, wenn man aus einer Kleinstadt kommt!), wir haben ein Theaterstück mit dem Titel „Meine Leichen, Deine Leichen“ gesehen, und – der absolute Höhepunkt: wir waren in einem BarclayJamesHarvest-Konzert! Ich war überwältigt von dieser Stadt. Ich habe mir einen sehr extravaganten indischen Glitzerrock gekauft und fühlte mich ja sowas von großartig. Weltstädtisch. Ich konnte mir kaum vorstellen, überhaupt jemals wieder in das kleine Nest (...) zurückzukehren und den Rest meiner Tage komplett ohne dieses spezielle Großstadt-Feeling zu verbringen. Aber nach einer Woche war leider alles vorbei. Es gab allerdings bei der Rückreise noch einen weiteren Höhepunkt; die erfolgte nämlich mit dem Flugzeug. Ich bin damals zum ersten Mal geflogen und wusste gar nicht, was ich aufregender finden sollte – das Fliegen an sich, oder die Tatsache, dass ich ALLEIN unterwegs war! Meine Patentante hat mich zum Flughafen gebracht, ist aber in Berlin geblieben. Der Flug nach Hannover war so kurz, dass ich es kaum geschafft habe, in dieser Zeit überhaupt meinen Tomatensaft auszutrinken.
Ich war danach nur noch zweimal in Berlin. Auf der Studienfahrt in der 11. Klasse, und dann nochmal (relativ kurz nach der Wende) auf einem Tagesausflug, um die Ausstellung „Entartete Kunst“ zu besichtigen. Aber ich habe nie das „neue“ Berlin ohne Mauer erlebt. Ich habe immer noch das Bild von damals, aus den Achtziger Jahren im Kopf, wenn ich an diese Stadt denke. Inklusive einer sehr idealisierten Vorstellung, wie es da so zugeht – geprägt durch Bücher und Fernsehserien. Vielleicht wäre es langsam an der Zeit, mal eine Aktualisierung meiner Erinnerung vorzunehmen.

Kommentare:

  1. Ein tolles LO. Ich glaube, so viel Text - also eigenen - bekomme ich dafür nicht zusammen. Das LO steht auch noch auf meiner to-do-Liste. ;)
    LG und ein schönes Wochenende.
    Sabine

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  2. Dit gloob ick ja jetze echt nich. ;) Als Berliner Jöre muss ick dir sagen, das de echt mal wieder inne Hauptstadt kommen musst. Da hat sich viel jetan in den letzten Jahren und ick bin selber ständig überwältigt. Danke für den Einblick aus dem Jahre 1982, da hab ick die Welt jerade mal ein Jahr alt, vom Kinderwagen aus erforscht. ;) Jetzt jibt es DDR-Hostels, damit de Welt sich erinnert wie dit war. Die Mauer ist ooch im Osten bunt & jetzte kannste ooch Cola hier trinken. *grins* Der Fernsehturm bekommt ein neuet Restaurant und der Oberknüller die renovierten Museen auf der Insel, echt schnieke.

    Danke für's Teilen deines Erlebnises!

    Jenny

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  3. Vielleicht solltest du deine "lange Reise" dieses Jahr in Berlin verbringen?!? Ich war grad im Oktober da und kenne die Stadt nur "offen", - aber es lohnt sich und du solltest auf jeden Fall wieder hin! Ich mag dein LO, - mir gefallen diese kleinen gezackten Runden Dinger, die hattest du auch schon auf einem Kit-LO, ist das ein Stanzer?! Liebe Grüße...Tanja

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  4. UNBEDINGT musst du nochmal zeitnah nach Berlin. Am besten mit mir zusammen :-)))

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  5. Genau, komm mich mal besuchen. Auch ich als Berlinerin bin immer wieder erstaunt weil es dauernd etwas Neues gibt. Tolles Layout und super Journaling!

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  6. Dein Layout ist superpassend, das Papier, ein bisschen retro passt total zu deinen alten Fotos mit den abgerundeten Ecken. Wirklich genial. Auch die Story ist klasse. Ich war 1981 mit Freunden in Berlin, gerade den Führerschein, über die Transitstrecke Helmstedt nach Berlin. Dort haben wir bei irgendwelchen Leuten gewohnt, wo das Klo eine halbe Treppe runter (im Haupttreppenhaus) war. So etwas hatte ich auch vorher weder gehört noch gesehen. Das Klo wurde natürlich von allen möglichen Mietern benutzt. Gruselig!!! Aber wir hatten einen tollen Trip, genau wie du damals.
    Viele Grüße von
    Stine

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  7. Wenn Du kommst, sag Bescheid - ich zeig Dir Ecken von Berlin, det globbste gar nich...Ja, es wird Zeit meine Liebe. Kauf Dir einen neuen Stadtplan. Das müssen sogar die Berliner jedes Jahr machen, so schnell verändert sich diese Stadt....

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  8. Ich mag, wie du scrapst und wie du schreibst. Das berührt mich jedes Mal, egal welches Thema!
    Deine "Geschichten" sind immer wieder große Inspiration und wunderbare Tagesaufheiterer!

    LG von Drea

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  9. Ick muss die Tschenny recht jeben und ick hätte da 'nen Bett für Dir. :o)

    Und Dein LO ist ja mal wieder der Hammer - und: ich lieeeebe Deine Beiträge.

    Liebe Grüße von Grit

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