Mittwoch, 8. Juni 2011

Die Hilfsmuttis

Den gestrigen Vormittag habe ich auf dem Sportplatz verbracht. Und zwar, genauer gesagt, neben der Sprunggrube. Das Kindelein hatte Bundesjugendspiele, und wie durch ein Wunder war ich mal wieder zum Helfen eingeteilt.
Seit ich gleich zu Beginn der ersten Klasse mal bei irgendeiner Aktion halblaut "hier" gerufen habe, bin ich quasi automatisch bei sämtlichen Unternehmungen dabei. Ich backe Waffeln beim Tag der offenen Tür, ich stempele Teilnahmekärtchen bei der Kinder-Olympiade ab, ich belege Brötchen für das Gesunde Frühstück, ich wandere zwei Jahre lang zweimal wöchentlich in die Schule zum Vorlesen, ich backe vorweihnachtliche Kekse mit den Kindern, ich verausgabe mich auf besagtem Sportplatz. Nur wenn ins Theater gefahren wird, dann wollen auf einmal dringend andere Muttis mit.
Es ist mir ein Rätsel, wie (bzw. durch wen) diese ganzen Arbeiten früher alle bewältigt worden sind. Während meiner gesamten Schulzeit habe ich bei keiner Unternehmung irgendjemandes Eltern angetroffen! Hat die einsame Lehrerin da etwa alles alleine gemacht? Und wenn heute diese ganzen Hilfeleistungen anscheinend unverzichtbar sind, warum wird dann automatisch davon ausgegangen, dass sich immer irgendwelche Eltern dazu bereit finden?
Nebenbei gesagt - immer dieselben Eltern. Auch nach drei Jahren Schulzeit gibt es immer noch eine nicht unerhebliche Menge an Elternteilen, die ich noch nie (noch nie!) irgendwo angetroffen habe. Nicht mal auf den Elternabenden! Dabei heißen die doch extra so! Seltsamerweise kommen deren Kinder auch irgendwie durch die Schulzeit. Diesen Eltern fehlt halt das Ich-muss-mich-engagieren-mein-Kind-soll-es-doch-schön-haben-Gen. Aber die Kinder kriegen trotzdem ein Zeugnis und dürfen auch auf die Klassenfahrt mit. Und wenn sie beim nächsten Werken keinen Schuhkarton, keinen mittelgroßen Kosmetikspiegel, und keine Filzzuschnitte dabei haben, kriegen sie das eben von der Lehrerin, oder es geht dann eben auch so. Ohne was. Während ich hilflos im Supermarkt bei den Kosmetikspiegeln stehe ("mittelgroß" ist ein sehr diffuser Begriff) und abends um elf noch auf den Dachboden turne, in der Hoffnung, dort einen leeren Schuhkarton anzutreffen.
Da frage ich mich doch, ob ich beim nächsten Elternabend nicht auch einfach mal auf der Couch liegenbleibe.
Die Krönung des Ganzen finde ich allerdings immer den sogenannten "Schulputztag". Da sollen die Eltern in die Schule kommen, und mal so richtig saubermachen. Weil die Arbeitszeit der professionellen Reinigungskräfte anscheinend nur für ein flüchtiges Drüberwischen und keinesfalls für die Ecken reicht. Für mich hört sich das nach aktiver Arbeitsplatzvernichtung an.
Schule kann ganz schön anstrengend sein.

Kommentare:

  1. Jaaa ich verstehe dich... das war schon im KiGa so und setzt sich in der Schule fort. Ich habe aber mittlerweile den Absprung geschafft und lass auch mal andere vor ;) unterdessen sogar ohne schlechtes Gewissen, versuchs mal. Wobei ich mich auch wie du frage, was wäre, wenn alle Mütter (so wie früher bei uns im Osten) ganztags arbeiten gingen...

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  2. Ich kenn das so gut und bei dem vierten Kind, habe ich gestreikt - ich helfe nicht mehr, es sei denn es brennt. Irgendwie verlassen sich alle Eltern und Lehrer darauf, das es schon genug Freiwillige geben wird. Aber wenn Elternengagement notwendig ist, in Zeiten leerer Kassen, dann bitte ALLE Eltern (Berufstätige nur eingeschränkt)Ich LIEBE meine Kinder und möchte wirklich alles tun, damit es ihnen überall wirklich gut geht, aber es gibt auch Grenzen und wenn ich das Gefühl habe, andere Menschen nutzen das aus, dann ist bei mir Feierabend. Ich freu mich übrigens schon auf den Tag in ein paar Jahren, wenn auch das letzte Kind die Schule hinter sich hat!
    Liebe Grüße
    Sabine

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  3. Tja, das mit der Schule und der Verpflichtung der Eltern mit zuhelfen (bei Hausaufgaben und Schulveranstaltungen) ist für mich auch ein leidiges Thema. Ich könnte da Geschichten über stinkende Hühnerknochen und Pinseln aus Tierhaaren (Kuhhaarpinsel) erzählen.

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  4. Das hört leider wenn du nicht die Bremse selber ziehst bis zur Klasse 13 nicht auf.Egal was es ist sind immer die selben Eltern....dabei .
    Ich kenne das auch ,ich habe mich nun etwas ausgeklinkt.,,grins,,,Das sind wir :-)) Muttis.
    Gruß Dagmar

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  5. Ich bin ja dafür, dass wir Eltern noch viel mehr Zeit in der Schule verbringen. Da gehören wir nämlich hin. Und ich bin stolz auf Dich, weiter so! ;)

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  6. Wie genial. Ich komme gerade von der Sommerwerkstatt zurück aus der Schule, ziemlich erledigt. Habe dort geholfen zu Drucken. Tolle Sache und der Lehrer war total froh das ich/wir da waren. Geschätzten 120 Kindern geholfen ihren Anfangsbuchstaben vom Namen in ein Stück trittschalldämmung zu ritzen. Ich bin bei der Lesepatenschaft einmal die Woche und beim Abschlussfest muss auch geholfen werden. nur auf das Theater habe ich keine Lust mehr. Letztes Jahr bei 30 Grad den ganzen Tag unterwegs gewesen. weil Theater in der Nachbarstadt reicht nicht. es muss das Freilufttheater 40 km weiter weg sein. Ja und es gibt Elterrn die würden ja so gerne helfen wenn da nicht gerade dies oder das oder die blöde Migräne wäre.... Ich sehe das ist überall so. Danke für Deinen Einblick lg Steffi

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  7. Mir auch. Ich hab zurzeit auch o ein Problem. In der Schule meines Sohnes ist Sommerfest, und es soll offenbar ganz allein von den Eltern ausgerichtet werden. In der Elternratssitzung haben wir beschlossen, dass wir Fischbrötchen machen (es geht um das Land Norwegen), mein Mann hat 100 Fische gesägt, das soll eine Malstraße werden. Zusätzlich gibt es Kekse und beflaggte T-Shirts für die Kinder. Aber NEIN, das ist nicht genug! Die anderen Eltern von den anderen Klassen machen VIEL mehr - so jammerte die Klassenleiterin. Sie bauen Kulissen, führen Theater auf und sowas, und die Direktorin hat kurzfristig eine Krisensitzung einberufen, auf der die Elternvertreter Rede und Antwort stehen sollen. HALLO?? Ich gehe da bestimmt nicht hin! Die Grundschulzeit ist GsD in 4 Wochen vorbei! Yeah!

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  8. Wie oft habe ich als GS-Lehrerin die Regale und das Montessori-Material in den Regalen abgestaubt, denn das hat die Putzfirma aus Kostengründen nicht gemacht. So manches Mal haben Eltern im Rahmen von "Elternarbeitstagen" mitgeholfen, das Klassenzimmer wieder sauber zu bekommen (Fensterputzen, Wände neu streichen etc.), aber das stand so im Schulvertrag. Eltern, die nicht daran teilgenommen haben, mussten eine Art "Strafe" zahlen. Man durfte auch Kuchen für Feste backen oder beim Bierzapfen (!) hinterm Tresen stehen oder als "Lesemutter" im Unterricht mithelfen. Dieses System hat den Vorteil, dass ALLE Eltern ihren Beitrag leisten und so finde ich das fair. Wie es an öffentlichen Schulen geregelt ist, weiss ich nicht mehr, denn mein Referendariat ist lange her :) Nur da geschieht wohl vieles freiwillig und meistens sinds echt die gleichen Eltern, die sich übers Mass engagieren. Aber wie gesagt: lass nächtes Mal fünf gerade sein und delegiere die Jobs an andere Eltern :)

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  9. ach herrlich, das kommt mir sehr bekannt vor ist bei uns genauso, ich dar das auch immer machen und nehme dann einen Gleittag, gehe früher etc,pp, aber die anderen Eltern müssen immer arbeiten und können deswegen nicht kommen; auch nicht mal nachmittags um 4.
    Und jetzt wo Du es sagst, ich habe während meiner Schulzeit auch keine Eltern gesehen - muss auch so gehen...

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  10. Na das ist wieder ein typischer scrapperia Post! Ganz nach meinem Geschmack!
    Ich habe bereits im Kindergarten gemerkt, dass nichts, aber auch gar nichts ohne das Engagement der Eltern geht. Und mir wird ganz Angst, wenn ich daran denke, dass mein Großer dieses Jahr in die Schule kommt. Ich bin nämlich auch so eine Klar-ich-helfe-immer-gerne-Mutter. Ich kann nicht nein sagen!
    naja, da muss ich dann wohl durch.
    LG stebie

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  11. Ach, Sandra.........
    Zwingt Dich doch niemand! Es ginge auch ohne Dich, glaub' mir. Melissa und ihre MitschülerInnen hätten eine genauso schöne Schulzeit, nur Du wärst eben nicht mehr "mittendrin statt nur dabei".
    Sag' "nein", wenn Du keine Lust dazu hast.
    Aber ich denke............. Du stehst drauf ;-)

    LG,
    Andrea

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  12. @Bille: Da würde ich dann auch nicht mehr hingehen wollen. Lustig ist ja, dass die Norweger kaum/nie Fischbrötle essen, sie lieben eher Pølse med brød eller lomper (Würstchen mit Hotdogbrötchen oder Lappen aus so ne Art Kartoffelteig) mit viel Ketchup oder süssen Senf und getrockneten Zwiebeln, dazu rekersalad (Krabbensalat). Fisch wird hier eigentlich nur als Filet oder geräuchert gegessen.

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  13. Es ist doch überall das gleiche! Das war im Kiga so und so ist es auch in der Schule.Auch ich stand gestern auf dem Sportplatz mit 24 Erstklässlerjungs und war heute beim Ausflug dabei... Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich das noch geniesse! Solange meine Kinder mich noch dabei haben wollen.

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  14. Ich sag ja auch nicht, dass solche Aktionen nicht oft auch Spaß machen! Mich macht nur die Selbstverständlichkeit wahnsinnig, mit der das erwartet wird!

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  15. "Mich macht nur die Selbstverständlichkeit wahnsinnig, mit der das erwartet wird!"
    Naja, wenn die so tun, als wäre das selbstverständlich, denken die Eltern das vielleicht auch. Niemand muss betteln und niemand erwartet Dankbarkeit.
    Also, jedenfalls nicht offiziell ;-)

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  16. Ich kann das so gut nachvollziehen, gehörte ich doch auch zu den Müttern die dummerweise nicht arbeiten gingen und sich selbstverwirklichen wollten,zum arbeiten in der Schule aber gut genug waren und immer angesprochen wurden. Leider auch nicht nein sagen konnten, weil man es ja für seine Kinder macht. Allerdings wenn besondere Sachen in der Schule waren, z. B. wie bei Dir Theaterbesuche oder öffentliche Sachen, da waren dann die Mütter da die sich sonst nie bei irgendwelchen Aktionen haben sehen lassen. Da waren wir Mütter, die immer da waren, dann abgeschrieben und in die Zeitungund gelobt wurden die anderen....

    Manchmal hat man da keine Lust mehr gehabt und hätte alles hinschmeißen können. Heute ist das ein Glück Vergangenheit...denn bis zum Ende der Grundschule habe ich mitgemacht und dann hatte ich die Nase voll und habe "nein" gesagt.

    Liebe Grüße und laß Dich nicht unterkriegen.

    Ulrike.

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  17. Du sprichst mir aus der Seele! Was mich ärgert ist nicht das Helfen bei schulischen Aktivitäten (als berufstätige Mutter beschränkt sich das bei mir aufs Backen und Bastelnachmittage), sondern die Selbstverständlichkeit mit der diese Unterstützung und deren enormer Umfang vorausgesetzt wird! Da ist es total normal, dass Eltern, wenn die Kinder zur Klassenfahrt sind, morgens den Kindern das Frühstück bringen und abends das Abendbrot! Von zu hause aus! Zumindest aber werden diese Aktivitäten anerkannt, denn in der Grundschule meines Kleinen bekommen die Eltern, die sich engagieren zum Schuljahresabschlussfest einen kleinen Blumenstrauß und ein "Danke" der Kinder. Ich kenne es aus meiner Schulzeit auch nicht, dass da ständig Eltern präsent waren und bei schulischen Events mithalfen. Da waren ja auch die meisten voll erwerbstätig - und trotzdem ist die Schule nicht zusammengebrochen. Und ich hatte nie das Gefühl, unterbetreut zu sein ;-)

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  18. Oh ja, ich kenne diese Situation auch.
    Ich bin auch so eine Mami die nicht nein sagen kann. Vor zwei Wochen haben wir in der Kita in 2 Buddelkästen den Sand getauscht, d.h. Sand raus, ewg gefahren, neuen Sand wieder rein. Das hat uns 2 volle Nachmittage und nen halben Abend gekostet und Blasen an den Häneden. Letzte Woche war dann Sommerfest, wo man auch noch 2 vormittage ans Bein gebunden hat, mit Deko machen und Wertmarken verkaufen. Ja ja man ist ja halt zu Hause.

    Aber wo ich richtig erstaunt war, es kam das erste Mal etwas von der KITA zurück - sie haben sich persönlich bei den fleißigen Helfern bedankt. Ich helfe jetzt schon über ein Jahr intensiv in der KITA mit und es kam vorher noch nie etwas - ich war richtig erschrocken über das "Danke"

    Das gibt wieder Antrieb weiter zu machen :)

    So lange ich Spaß und Zeit habe mache ich gerne mit, aber ausnutzen lasse ich mich nicht (mehr)

    Lg Antje

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  19. Als Mutter kann ich Dir da nur zustimmen. Glücklicherweise arbeite ich und habe ein gutes Argument, mich etwas zurückzuhalten. ;-) - wobei ich mir auch schon Urlaub genommen habe, um in der Schule zu helfen.
    Als Erzieherin sehe ich aber auch die Kehrseite der Medaille: Bei uns im Kiga sind es die ELTERN, die immer möglichst Aktionen und Feste und Ausflüge wollen. ANdererseits dürfen NATÜRLICH keine Überstunden anfallen, damit die Erzieherin bloß nicht mal frei hat. Dann müssen die Eltern halt mit ran. Aber auch bei uns sind es immer die selben und nicht immer die, die den ganzen Aufwand haben wollen ;-)
    In der Schule habe ich allerdings auch das Gefühl, dass die Lehrer oder Schulleiter manchmal in überflüssigen Aktionismus verfallen, ohne den wirklich leisten zu können.

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  20. Wir haben zwei Kinder in einer "Schule im Aufbau" d.h. ALLE ELTERN sind aktiv irgendwie und irgendwo. Und es klappt seltsamerweise auch. Die arbeitenden Männer treffen sich am WE zum Bolzplatz bauen und für den Schulgarten, die berufstätigen Mütter putzen um 18.00 Uhr beim Abholen je ein Regal und die Haufrauen-Muttis begleiten bei Ausflügen. Es geht auch anders! ECHT! Und beim Elternabend sind alle ELTERN da. Wahnsinn, oder?

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  21. Ach ja,... es ist wie überall:
    Ist man ein hilsbereiter Mensch, wird es auch gerne genutzt.
    Das ist im Kiga so, in allen Schulen, im Job, im Freundeskreis, Verein, wo auch immer.
    Da hilft nur eines: Das tun, was man kann und will.
    Fertig.

    Ganz liebe Grüße von
    Steffie, die auch immer wieder Nein-sagen üben muss...

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